Leitlinien

„KIRCHE IM BETRIEB“

- Leitlinien für katholische Betriebs- und Arbeitnehmerseelsorge in Deutschland -

 

Einführung zu den aktualisierten Leitlinien (2010) für die katholische Betriebs- und Arbeitnehmerseelsorge: "Kirche im Betrieb"

 

Die moderne Arbeitswelt unterliegt einem ständigen Wandel. Globalisierung, anhaltende Technisierung und vor allem die Instrumentalisierung der Erwerbsarbeit durch das neo-liberale Wirtschaftssystem setzen diese gewaltig unter Druck. Die Erwerbsarbeit von heute liegt im Belagerungsring einer hartnäckigen Massenarbeitslosigkeit. Wer (noch) Arbeit hat, muss fürchten, diese zu verlieren und ist daher zu Zugeständnissen bereit. Wer bereits arbeitslos ist, findet kaum noch einmal einen qualifizierten Arbeitsplatz.

 

Alle Menschen, ob mit oder ohne Erwerbsarbeit, sind gezeichnet von einer kolossalen Angst, an den Problemen von Arbeit und Arbeitslosigkeit zu zerbrechen. Für alle gilt aber auch gleichermaßen die frohe Botschaft des Evangeliums, dass sie das Leben haben, ein „Leben in Fülle..." (Joh 10,10). Diese extreme Spannung wahrzunehmen, sie ein Stück weit mit zu erleiden („compassion") und überwinden zu helfen, ist Aufgabe einer glaubwürdigen Betriebs- und Arbeitnehmerseelsorge. Dabei kommen die klassischen Handlungsmuster der Bibel zur Anwendung: Anwaltschaft im Sinne tätiger Zuwendung zu den Betroffenen über die konkrete Nächstenliebe. Prophetie als kritische Einmischung in die gesellschaftliche Auseinandersetzung, denn Liebe muss transformiert werden in Strukturen der Gerechtigkeit.

 

Auf dem Hintergrund jenes historischen Skandals, dass die Kirche schon zu Beginn der Industrialisierung in der „Arbeiterfrage" versagt und nie das Vertrauen des Industrieproletariats gewonnen hat, sind 1975 viele Bistümer in Deutschland der Empfehlung der „Gemeinsamen Synode"1 gefolgt und haben eine spezialisierte Betriebs- und Arbeitnehmerseelsorge entwickelt oder ausgebaut. Ihre Aufgabe ist es, sich weit in die Arbeitswelt vorzuwagen und den Menschen dort nahe zu kommen. Weniger, um sie „heimzuholen" – allein schon der Versuch würde scheitern - , sondern um mit ihnen Kirche zu werden. Gleichzeitig aber darf Betriebs- und Arbeitnehmerpastoral nicht Spezialistentum bleiben, sondern soll das Bewusstsein der Kirche in all ihren Gliedern auf die existentiellen Fragen der Arbeitswelt hin schärfen...

 

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